Dienstag, 6. Januar 2015

Bogotá

Kurz vor Weihnachten begaben wir uns noch auf einen Abstecher nach Bogotá, genauer gesagt für fünf Tage. Recht komfortabel reisten wir am 18. per Flugzeug in die Hauptstadt Kolumbiens, die, wie Medellín auch, in den Anden liegt, nur eben auf 2640m. Die Unterschiede zur Küste sind sowohl sicht- als auch fühlbar. Es ist deutlich kälter (das brachte in mir etwas Vorweihnachtsstimmung hervor), die Menschen sind anders, das Spanisch ist absolut klar und die Stadt selbst ist riesig (sie zählt knapp acht Millionen Einwohner). Wir kamen via Airbnb im historischen Viertel unter, welches sich mittlerweile wunderschön als Außenbezirk am Berg entlangschlängelt. Dieses Viertel bietet authentisches kolumbianisches Flair gepaart mit europäischen Einflüssen, was eine sehr interessante Mischung produziert. Es ist vermutlich das schönste Viertel Bogotás. Große Teile der Stadt sind dreckig, mit Graffiti zugekleistert und abgeranzt. Ich fand das schlichtweg klasse. Für mich ist Bogotá deshalb eine Stadt mit Charakter und einer starken Szene. Das konnte man gleich bei der ersten Besichtigung erkennen. Ein Umstand, der mir in den Küstenstädten fehlt. Naja, oder ich bekomme das einfach nicht mit. Ein Muss in Bogotá ist die Fahrt mit der Seilbahn auf den Monserrate, eine Art Gipfel mit Kirche. Von diesem Aussichtsplatz bietet sich ein wundervoller Blick auf die Stadt selbst. Zudem ist das ganze Areal nachts sehr eigenwillig beleuchtet. Der Kolumbianer steht auf, zumindest aus meiner Sicht, Kitsch. Das bedeutet alles erstrahlt in sämtlichen Farben, möglichst grell. Macht euch selbst ein Bild anhand der Fotos. Einen Tagesausflug möchte ich hier noch erwähnen. Dieser führte uns nach Zipaquira, etwa 1 1/2 Stunde von Bogotá entfernt, in eine Salzmine. In dieser Salzmine gilt die Kathedrale als Hauptattraktion und als eine Art Pilgerort. Das klang interessant, nur stellte ich mir die Mine etwas anders vor. Ich hätte es vorher wissen müssen, aber es wurde eine religiöse Tour der Erschaffung der Erde durch Gott, ein Thema, das mich eher semi interessiert. Nichtsdestotrotz war die Mine höchst interessant (ich habe irgendwann aufgehört zuzuhören und schaute mich selbst um). Jetzt ist es doch wieder etwas mehr Text geworden, als stoppe ich meinen Schreibfluss an dieser Stelle. Viel Spaß bei den Fotos! Entschuldigt die mäßige Qualität. Das Gros der Bilder nahm ich mit meinem Handy auf.

Tommy


























 

Samstag, 3. Januar 2015

Minca

Das oben genannte Dörfchen besuchte ich mit Freunden bereits im November. Es liegt etwa in der Sierra Nevada hinter Santa Marta, sprich an der Küste Kolumbiens. Bis Santa Marta ging es im Bus, später wechselten wir das Gefährt und stiegen zu fünft, nach einer nervenaufreibenden Verhandlung um den Preis (neben Fußball eine sehr beliebte Passion der Costeños), in ein außerordentlich geräumiges Taxi. Ich genoss die zur Verfügung gestellte Beinfreiheit von 0.2 cm in vollen Zügen, weshalb die Fahrt bis nach Minca, nun ja, anders war. Minca müsst ihr euch als ein verschlafenes Dorf im Regenwald vorstellen, das langsam aber sicher touristisch erschlossen wird. Ob das gut ist, sei dahingestellt. Wir erreichten unser Hostel glücklicherweise kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Uns bot sich ein wundervoller Blick auf das hell erleuchtete Santa Marta im Tal. Die folgenden Tage verbrachten wir mit Wanderungen durch den Regenwald. Wir fanden beispielsweise ein kleines Café mitten im Nirgendwo und wurden auf dem Rückweg von einem Regenwaldgewitter erwischt, welches mich tief beeindruckte; ein sehr spannendes Erlebnis. Geschlafen wurde wie gewohnt in Hängematten. Das soll als Text reichen. Macht euch selbst ein Bild anhand der nachstehenden Fotos.

Tommy

















 

Samstag, 27. Dezember 2014

Musik

Zunächst erst einmal die notwendige Entschuldigung, dass es seit knapp zwei Monaten eher ruhig ist auf dieser Seite. Es ist viel passiert, weshalb es diverse Ereignisse zu teilen gilt. Vorher jedoch ein Post zur hiesigen Musik, der mehr als notwendig erscheint, da Musik das Leben der Kolumbianer bestimmt. Es wird überall Musik gehört, getanzt und in dieser Zeit das Leben genossen, unabhängig der sozialen Klasse oder Herkunft. Man könnte meinen, Musik sei ein verbindendes Banner Kolumbiens. Die gehörte Musik variiert erheblich und es scheint müßig, Musik zu beschreiben. Aufgrund dessen folgt eine ausgewählte Liste bekannter Lieder mit kurzer Erläuterung.

Beginnen wir mit Musik, die besonders in den Clubs gespielt wird:

https://www.youtube.com/watch?v=NUsoVlDFqZg

https://www.youtube.com/watch?v=OxxggwHFj7M

https://www.youtube.com/watch?v=q4_2c1-ax1A

Wer sich fragt, warum die kolumbianische Männerfußballnationalmannschaft bei jedem Tor speziell tanzte, folgt hier die Erklärung. Dieses Lied initiierte den besonderen Torjubel:

https://www.youtube.com/watch?v=xnTgYHP7G0E

Kolumbianische Salsa wird vorwiegend zu folgenden Liedern getanzt:

https://www.youtube.com/watch?v=3VmoZrxXbmg

https://www.youtube.com/watch?v=RUqqUo9XnUE

Apropos Salsa, in Cali (der Salsametropole Kolumbiens) wird eine besonders schnelle Form der Salsa getanzt, die, wie ich finde, unfassbar beeindruckend ist. Anbei ein Video:

https://www.youtube.com/watch?v=Rkuy2X2I1zo

Ein Karnevallied (Barranquilla ist das Zentrum des kolumbianischen Karnevals) soll diese kleine Liste abschließen:

https://www.youtube.com/watch?v=LsVEncfUXcE

Liebe Grüße

Tommy

Dienstag, 28. Oktober 2014

Deutsch als Fremdsprache

Die deutsche Sprache hat in Barranquilla eine lange Tradition. Die Stadt selbst wurde 1813 gegründet, das Colegio Alemán (die deutsche Schule) 1913. Seither gilt die deutsche Sprache quasi als Kulturgut Barranquillas, was sich besonders in den Sprachfertigkeiten der Jugendlichen und Twens widerspiegelt. Ein großer Teil spricht sehr gutes Deutsch, das angesichts der Schwierigkeit der Sprache hoch anzurechnen ist. Ich hätte beim besten Willen keine Muße, Deutsch als Fremdsprache zu lernen, insbesondere, wenn es nach Meinung vieler ein Kauderwelsch aus Rachenlauten und sonstigen nicht definierbar harten Buchstaben ist (letzteres trifft glücklicherweise nicht auf das Deutsch meiner Heimat zu). Im internationalen Büro sprechen etwa 60 Prozent fließend Deutsch, also nicht nur "Isch libbe disch", sondern teilweise akzentfrei, was mir jedes Mal auf das Neue Respekt abverlangt.

Man fragt sich, woher diese Motivation für die Sprache Goethes (der Dank an dieser Stelle gebührt Frankreich für diese liebenswürdige Bezeichnung unserer Sprache)kommt. Während eines Festes der Fakultät für Deutsch als Fremdsprache, erfuhr ich den zentralen Grund bzw. die entscheidende Motivation. Doch zunächst kurz zum Fest selbst. Der Prof für Deutsch bat mich, am Programm teilzunehmen. Ich lud noch einen weiteren deutschen Kommilitonen und eine Freundin von uns, eine Argentinierin, die kein Wort Deutsch spricht, ein. Gut, wir haben ihr ein paar Wörter und Sätze beigebracht, aber die sind eher weniger hilfreich im universitären Alltag. Wir zwei Deutschen wurden dann bei einem Buchstabierwettbewerb als Juroren engagiert und sollten die zu buchstabierenden Wörter vorlesen. Da waren definitiv Wörter dabei, die Ronnyyy und Kävin nicht gekannt hätten. Einer der Teilnehmer schien letztes Semester eine Deutsche klargemacht zu haben und wurde dafür mit stehenden Ovationen bedacht und gefeiert, als könne er Krebs heilen. Ein anderer nahm die Sache so ernst, dass er fast ein Ei gelegt hätte. Alles in allem eine witzige Angelegenheit. Ach ja, das Siegerwort war Abseitsfalle. Ich schrieb eingangs über die entscheidende Motivation. Die Studenten mussten sich zu Beginn vorstellen und ihre Beweggründe nennen, warum sie Deutsch wählten. Neben unqualifizierten Antworten wie: "Deutsche Männer sind voll süß.", antworteten nahezu 80 Prozent, dass sie die Möglichkeiten unseres Landes schätzen und nutzen möchten. Es ist also nicht die Schönheit unserer Sprache, die zweifelsohne vorhanden ist, sondern ganz pragmatisch die Möglichkeiten, die unser Land bietet. Wenn das nicht ein wahrlich deutscher Grund ist, etwas zu tun. 

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Medellín und Umgebung

Wo beginne ich? Medellín eilt ein zwiegespaltener Ruf voraus. Einerseits als Stadt des ewigen Frühlings bezeichnet und über das ganze Jahr hinweg mit den unterschiedlichsten Pflanzenarten geschmückt, verfolgt sie bis heute andererseits der Ruf einer vom Drogenkrieg beeinflussten brutalen Stadt. Nach meinem Besuch kann ich besonders ersteres bestätigen. Letzteres wollte ich nicht untersuchen. Da hatte ich dann eher weniger Lust.

Nach Medellín ging es per Flugzeug, da die Busfahrt quer durch das Land als gefährlich gilt und 20 Stunden in kolumbianischen Bussen eher nicht so geil sind. Die Sicherheitskontrollen bei Inlandsflügen sind, nun ja, anders, weil kaum existent. Ich glaube, dass der Flughafenangestellte eher seine Whatsapp-Nachrichten inspizierte als mein Gepäck. Ich als pflichtbewusster pedantischer Volldepp hatte natürlich alles nach Vorschrift gemacht und lediglich kleine Flüssigkeiten mitgenommen. Den Rest ließ ich zu Hause. Naja, das nächste Mal weiß ich es besser. Das Leben an der Küste ist eben tranquillo.

In Medellín angekommen, ging es zuerst ins Hostel, einem sehr beschaulichen, das auf den Namen Buddha hört, und anschließend zu einem grünen Aussichtsplatz mitten in der Stadt. Man konnte zum ersten Mal die Ausmaße der Stadt erkennen. Medellín ist in ein Tal der Anden gemeiselt und schlicht riesig (siehe Bilder). Der Abend wurde ruhig beendet, da am nächsten Tag ein größerer Ausflug geplant war.

Besagter Ausflug ging zum Piedra El Penol und Guatapé. Dieser "Stein" ist ein riesiges Ungetüm aus vorwiegend Granit und Feldspat und steht, ja chillt, da einfach in der Gegend rum. Das Bild des Steins inmitten beeindruckender Landschaft ist zum einen völlig absurd und zum anderen absolut faszinierend. Den Stein kann man auch erklimmen. Der Blick von oben ist atemberaubend schön. Macht euch selbst einen Eindruck durch die Bilder. Guatapé ist ein buntes verschlafenes Städtchen mit gewissem südamerikanischen Flair. Ich denke nicht, dass Wörter wie Stress oder Hektik jemals von einem der Bewohner in den Mund genommen wurde. Verrückt, wie entspannt das Leben sein kann, wenn man sich nur darauf einlässt.

Der nächste Tag galt der Stadt Medellín und seinen Sehenswürdigkeiten sowie Eigenheiten. Erste Eigenheit ist der Akzent. Das Spanisch ist sehr klar, klingt aber durch die Intonation wie Italienisch, wase für miche witzich ware. In Medellín selbst wechselt sich ein Bild von brutaler Armut mit protzigem Reichtum ab. Diese Gegensätze, auch zwischen sicherer und unsicherer Umgebung, können mit nur einer Straße wechseln. Der Besuch des Kunstmuseums und der Werke Fernando Boteros, Medellíns bekanntestem Künstler, der insbesondere durch seine Darstellung korpulenter Personen mit verschobenen Körperproportionen berühmt geworden ist, war Pflicht. Die Stadt lebt von farbenfrohen Pflanzen, der montanen Umgebung und dem angenehmen Klima, die allesamt Medellín zu einer einzigartigen Stadt machen. Mir persönlich geht es häufig so, dass ich in Städte komme und sofort merke, ob sie mir gefallen. Medellín hatte mich augenblicklich gefangen. Das bestätigte sich später auch, als wir mit der Seilbahn (Medellín verfügt über zwei, die Teil des öffentlichen Verkehrsnetzes sind) gewissermaßen auf die Spitze Medellíns fuhren. Das Bild, das sich uns bot, inklusive Sonnenuntergang, war überwältigend. Leider kommt das nicht so auf den Fotos rüber, da Bilder aus einer schaukelnden Seilbahn recht schwierig sind.

Kurzum, solltet ihr je die Möglichkeit haben, Medellín zu besuchen, scheut euch nicht und macht es. Es lohnt sich in jedem Fall.

Liebe Grüße

Tommy

PS: Die Bilder sind in der Reihenfolge der Textabschnitte.